Seit Februar 2016 unterstützen wir in El Salvador den Schutz und das ökologische Management der Wälder des Landes und seiner massiv von Erosion bedrohten Böden.

El Salvador ist mit mehr als 300 Einwohner*innen pro km² das Land mit der höchsten Besiedlungsdichte Mittelamerikas und verfügt über nur noch vergleichsweise geringe und damit umso wertvollere Waldflächen. Die Sorge der Bevölkerung in den betroffenen Regionen um ein Absterben der Wälder und in Folge um ein Versiegen von Trinkwasserquellen ist groß. Die Regierung der FMLN (2009 – 2019) und insbesondere ihr zweiter Präsident Salvador Sánchez Cerén fühlten sich dem Schutz der Wälder auch als Erbe der indigenen Völker ausdrücklich verpflichtet.

Auslöser des Projekts war die Borkenkäfer-Kalamität in den Koniferen- und Mischwäldern in der nördlichen Region El Salvadors. Diese Wälder spielen eine entscheidende Rolle als Filter und Speicher des Wassers für das Quellgebiet des Rio Lempa, das mehr als die Hälfte des nationalen Territoriums versorgt. Ebenso gefährdet ist die Region des grenzüberschreitenden UNESCO-Biosphärenreservats Trifinio Fraternidad. Hier liegen auch der wegen seines Artenreichtums bekannte Nationalpark Montecristo und die Hochzone des El Pital mit dem höchstgelegenen Koniferen-Urwald des Landes.

Gemeinsam mit dem Ministerio de Agricultura y Ganaderia (Ministerium für Landwirtschaft und Viehzucht) und dem Ministrio de Medio Ambiente y Recursos Naturales (Ministerium für Umwelt und Naturressourcen) organisierten wir im Februar 2017– unterstützt von der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald – eine Exkursion bayerischer Wissenschaftler*innen zur Borkenkäferproblematik in den Kiefernwäldern El Salvadors. Hier finden Sie ein kurzes Video dazu. Entsprechend den Empfehlungen der Expert*innen aus Deutschland stoppte die damalige salvadorianische Regierung des Präsidenten Salvador Sánchez Cerén (2014 – 2019) den Einsatz von Insektiziden in der Borkenkäferbekämpfung.

Angestoßen haben wir den Abschluss einer Partnerschaft zwischen dem ältesten Nationalpark Deutschlands, dem Nationalpark Bayerischer Wald, und dem ältesten El Salvadors, dem Nationalpark Montecristo. Der Partnerschaftsvertrag wurde im Dezember 2017 von Vertretern beider Parks im Nationalpark Montecristo offiziell unterzeichnet. Diese Partnerschaft wird auch weiterhin von uns begleitet. Aktuelle Schwerpunkte der Partnerschaft zwischen den Parks sind: Umweltbildung, Forschung, nachhaltiger Tourismus und Parkmanagement.

Im Nationalpark Montecristo liegt nicht nur El Salvadors zweithöchster Berg sondern auch der beeindruckende letzte Nebelwald des Landes. Mit Beginn der Trockenheit können Besucher*innen hier mit etwas Glück den sagenumwobenen Glücksvogel der Maya, den Quetzal, beobachten. Ein in Kooperation mit der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald durchgeführtes Fotofallen-Projekt zur Dokumentation der Säugetierarten im Montecristo belegte Anfang 2019 unteranderem die Existenz des seit vielen Jahren in El Salvador als ausgestorbenen geltenden Pumas.

Hervorgegangen aus den von uns organisierten und begleitetem Besuchen von Mitarbeiter*innen des Montecristo-Nationalparks im Partnernationalpark Bayerischer Wald sind die im Oktober 2018 erstmalig durchgeführten Umwelt-Zeltlager für Kinder aus den Schulen der Nationalparkregion. Die meisten Kinder hier haben aus Gründen der wirtschaftlichen Situation ihrer Familie keine Chance, den Nationalpark zu besuchen, viele haben trotz ihrer ländlichen Wohnsituation nur noch wenig Naturbezug. Zelte und Schlafsäcke wurden dank großzügiger Unterstützung angeschafft und auch Transport und Verpflegung der Kinder werden über Spenden finanziert. Aktuell umgesetzt wird das Vorhaben „Comedor“ ein Gemeinschaftsprojekt im Rahmen des Nachhaltigen Tourismus gemeinsam mit einer Gruppe von Frauen aus der im NP Montecristo gelegenen Gemeinde San José Ingenio. Dieser wichtige Meilenstein für die Entwicklung eines ökologisch verträglichen Tourismus im Park wird von der Deutschen Botschaft und der baden-württembergischen „ Nachhaltigkeitsregion 5G“ gefördert.

Ebenfalls im Biosphärenreservat Trifinio Fraternidad liegt der Nationalpark San Diego y San Felipe Las Barras, der letzte große tropische Trockenwald El Salvadors, der sich bis zum Guija-See an der Grenze zu Guatemala erstreckt. Hier unterstützen wir die Ausstattung der Ranger*innen und auch Maßnahmen zur Waldbrandbekämpfung. Immer mehr Gewicht bekommt auch hier die Umweltbildung.

„Verbunden zum Schutz der Wälder und der Biodiversität, Entfernungen überwindend… – 22. Mai 2018, Internationaler Tag der Biodiversität“

Im Mai 2018 fand – mit intensivem, von der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald organisiertem Fachprogramm – der erste (Gegen-)Besuch aus El Salvador im Rahmen der Partnerschaft zwischen den beiden Nationalparks Bayerischer Wald und Montecristo statt. Zur Delegation gehörten Vertreter*innen der salvadorianischen Nationalparks und des Tourismusministeriums. Im November gab es dann im Nationalpark Montecristo durch Mitarbeiter*innen des bayerischen Parks eine Fortbildung in Sachen Umweltbildung für mehr als 60 salvadorianische Ranger*innen und Waldführer*innen verschiedener Schutzgebiete im Biosphärenreservat Trifinio Fraternidad. Angestrebt für den Nationalpark Montecristo ist mit Unterstützung der bayerischen Partner die Ausbildung von Juniorranger*innen.

Exkursion zu den Schachten und Hochmooren im Nationalpark Bayerischer Wald

 

 
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